von Victoria Gerards:

Das Gabler Wirtschaftslexikon definiert Mitarbeitermotivation als die Einflussnahme der Führungskraft bzw. des Unternehmens auf den Mitarbeiter, um eine Verbesserung dessen Verhaltens und/oder dessen Leistung zu erzielen. Dabei ist unter Motivation der Zustand zu verstehen, bei dem wegen eines inneren Anreizes, der in der Tätigkeit selbst liegt, z.B. im Empfinden des Flow-Erlebens, gehandelt wird.

Mitarbeitermotivation ist unabhängig von der Unternehmensgröße ein wichtiges Themen für Unternehmer. Besonders in kleineren Betrieben mit wenig Mitarbeitern ist der Erfolg des Unternehmens von der Motivation und dem Engagement weniger Personen abhängig, denn motivierte Mitarbeiter bedeuten in der Regel zufriedene Kunden und damit Erfolg für das Unternehmen.

Bevor sich Unternehmer der Motivation ihrer Mitarbeiter widmen können, stellt sich allerdings die Frage, wer oder was die Unternehmer selbst motiviert? Was war die ursprüngliche Motivation, das Unternehmen zu gründen bzw. zu übernehmen? Was lässt Sie jeden Morgen aufstehen und Ihr Bestes für Ihr Unternehmen, Ihre Mitarbeiter und Ihre Kunden geben? Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit und schreiben Sie die Dinge für sich auf!

Sich als Unternehmer seiner eigenen Motivatoren bewusst zu sein ist ein erster guter Schritt, denn nur wer selbst motiviert ist, kann auch andere motivieren! In der Regel ist diese persönliche Motivation mit der Gründungsidee, der Vision verknüpft. Mit dieser emotional eng verbunden zu sein, sprichwörtlich dafür zu brennen, ist einer der stärksten Motivationen um auch schwierige Unternehmenszeiten zu überstehen. Hier liegt die Kunst darin, diese Vision und dieses Brennen auf die Mitarbeiter zu übertragen. Je klarer sich der Unternehmer seiner Vision ist, je deutlicher sie formuliert ist und je bewusster dem Unternehmer ist, warum es genau diese Vision und keine andere ist, desto stärker wirkt der motivierende Faktor.

Wichtig ist aber auch, als Unternehmer darüber Bescheid zu wissen, was einen selbst demotiviert. Schreiben Sie sich als Unternehmer oder Führungskraft also alle Punkte auf, die Ihre Motivation in Demotivation kippen lassen und was Sie tun können, um das zu verhindern bzw. zu ändern. Eigenverantwortliche Selbstführung ist hier das Stichwort. Angefangen über Selbstorganisation und Zeitmanagement, über organisatorische und inhaltliche Themen, hin zum sozialen Umfeld, sollten hier alle Aspekte des (Arbeits-)Lebens untersucht werden, um zu schauen, was ein innerliches “ja!” erzeugt und was zu innerem Widerstand führt. Auch hier ist es das sich-bewusst-werden, was ein wichtiger erster Schritt im Umgang mit den Faktoren ist, die Widerstand erzeugen.

Genauso, wie sich der Unternehmer im Hinblick auf die Mitarbeiter Gedanken machen muss, was er oder sie tun kann, um Demotivation in Motivation umzuwandeln, sollte der Unternehmer auch hier wieder bei sich selbst beginnen und für sich selbst überlegen, was er oder sie konkret tun kann, um die Faktoren, die zur eigenen Demotivation führen, zu verhindern oder auszuschalten. Sicherlich liegt nicht jeder Punkt im persönlichen Einflussbereich des Unternehmers, aber es wird eine Menge Dinge geben, die der Unternehmer tun kann, um weniger oft selbst in die Demotivations-Falle zu geraten.

Wenn wir den Blick nun auf die Mitarbeiter lenken, dann stellt sich die Frage, welche dieser Handlungsfelder sich auch auf die Mitarbeiter übertragen lassen. Welche Verhaltens- oder Kommunikationsweisen, die den Unternehmer selbst demotivieren, können so abgeschaltet, verändert oder entwickelt werden, dass sie auch für die Mitarbeiter nicht mehr demotivierend, sondern motivierend wirken? Sicherlich gibt es hier eine Reihe von Überschneidungen. Dadurch entwickelt der Unternehmer nicht nur konkrete Handlungsimpulse, sondern gewinnt auch maßgeblich an Authentizität gegenüber den Mitarbeitern, was ein essenzieller Erfolgsfaktor für Mitarbeitermotivation ist.

Natürlich sind nach wie vor auch Faktoren wie gute und sichere Arbeitsbedingungen, ein kollegiales und entspanntes Betriebsklima, abwechslungsreiche Tätigkeiten, fachliche Herausforderungen, Flexibilität bei der Arbeitszeit und Arbeitsausführung, Förderung und Qualifizierung, Ankerkennung und Wertschätzung, Beziehungsarbeit und eine angemessene Vergütung wichtige Faktoren bei der Mitarbeitermotivation. Diese wirken aber unterschiedlich stark, je nach Persönlichkeit und persönlicher Situation des Mitarbeiters.

Insbesondere durch die New Work Bewegung werden allerdings Faktoren wie Sinnhaftigkeit der Arbeit, der Nutzen, den die eigene Arbeit stiftet, persönliche Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten, Nachhaltigkeit der Arbeit und Selbstbestimmtheit deutlich relevanter, als die klassischen o.g. Faktoren. Damit verändern sich auch die Anforderungen an Selbst- und Mitarbeiterführung deutlich. Daher stellen sich immer wieder die folgenden Fragen: Was motiviert Sie? Was motiviert Ihre Mitarbeiter? Wofür stehen Sie morgens auf?