von Danijela Djordjevic und Victoria Gerards

Wie waren die letzten Jahre?   

In den letzten Jahren konnten viele Unternehmen in einem Feld mit annähernd bekannten und gesunden Rahmenbedingungen ihr Geschäftsmodell pflegen und sich weiterentwickeln. So fiel es einem Unternehmer leichter, an seinen Visionen und Strategien zu arbeiten.

Gute Rahmenbedingungen sind u.a. geprägt durch eine funktionierende Basis, sprich Arbeitsprozesse und Projekte laufen und die dazugehörigen Anpassungen können sofort umgesetzt werden. So konnte sich ein jeder auf das Geschäft konzentrieren und das Unternehmen konnte bestmöglich wachsen. Das, was geschaffen wurde, funktionierte gut, sodass die Kapazitäten und Ressourcen (Geld, Zeit, Personal) an der Unternehmensentwicklung zu arbeiten, vorhanden waren. Ob jeder Unternehmer und jedes Unternehmen die Chance zur Unternehmensentwicklung genutzt haben, steht auf einem anderen Blatt. Die geringe Digitalisierungsquote in Deutschland spricht hier beispielhaft für sich.

Die Unternehmen, die sich in der Vergangenheit um die kontinuierliche Weiterentwicklung des Unternehmens ganzheitlich gekümmert haben, sind in Krisenzeiten anders aufgestellt und verfügen über unternehmerische und finanzielle Sicherheit, weil sie auf der einen Seite zuvor Rücklagen gebildet haben und auf der anderen Seite als Organisation resilienter und flexibler sind. Diese Unternehmen haben bereits ihre eigene Definition von Agilität entwickelt: Die Fähigkeit, sich schnell auf neue Rahmenbedingungen anpassen zu können und Krisen grundsätzlich erst einmal als Chance zu begreifen.

Dann kommt der Crash – nennen wir es Corona

  • Es herrscht bundes-, europa-, weltweit ein Ausnahmezustand
  • Anfang Mai 2020 arbeiten deutschlandweit ca. 18 Mio. Menschen zusätzlich aus dem Homeoffice/Remote heraus
  • Nicht systemrelevante Geschäfte müssen teilweise oder ganz schließen bzw. Produktionen werden gestoppt
  • Über 10 Mio. Menschen sind in Kurzarbeit (Stand April 2020)
  • Die Gesamtsituation lässt keine Branche aus
  • Es wird immer mehr Menschen klar, dass es nicht mehr so wird, wie es mal war

Welche Auswirkungen können sich in Bezug auf die Unternehmensvision zeigen?  

Abhängig davon, wie sinnstiftend und zukunftsorientiert die Vision des Unternehmens definiert war, sind jetzt auch die möglichen Auswirkungen der Krise auf das Unternehmen sichtbar. Dabei zeigen sich vor allem drei Muster:

  1. Vision & Strategie kommen erst durch die Krise richtig zum Tragen, weil „die Zukunft jetzt vorgezogen wurde“. Viel Energie, Motivation und Kreativität wird freigesetzt. Die Produktivität und der Erfolg des Unternehmens steigen an.
  2. Die Vision passt noch halbwegs, die Strategie aber nicht mehr, weil sich der Geschäftsprozess nachhaltig ändert bzw. ändern muss. Das Unternehmen hat mit der Krise zu kämpfen, einzelne Teams arbeiten engagiert an der Fortführung des Unternehmens während andere Teams zunehmend demotiviert sind und unproduktiv werden.
  3. Vision und Strategie haben sich überholt und das Geschäftsmodell ist obsolet geworden. Hoffnungslosigkeit und Frustration machen sich breit. Es wird viel Kraft und Energie darauf verwendet, den Schuldigen zu suchen. Eine teilweise oder gar komplette Schließung des Unternehmens scheint unausweichlich.

Mit diesem Crash werden die Rahmenbedingungen für unternehmerische Aktivitäten komplett neu abgesteckt, innerhalb derer es sich nun zu orientieren und etablieren gilt.

Vision

Klarheit über die eigene Vision 

In dieser neuen Zeit braucht es nicht nur Klarheit des Unternehmers über die Vision, sondern auch die Vision eines jeden Einzelnen. Was sich aktuell beweist ist, dass je identifizierter und engagierter die Mitarbeiter mit dem Unternehmen, seiner Vision und seiner Strategie sind, desto engagierter arbeiten sie daran mit, das Unternehmen gemeinsam durch die Krise und in die Zukunft zu führen. Eine spürbare Demotivation z.B. durch Kurzarbeit hält insbesondere dort Einzug, wo wenig Identifikation mit dem Unternehmen vorhanden ist.

Über Vision und Sinn

Warum ist die Vision so wichtig? Ist sie doch eine langfristige Perspektive, oft etwas utopisch formuliert und nicht immer ganz konkret greifbar. Weil sie dem Unternehmen einen Sinn gibt und somit allen am und im Unternehmen Beteiligten eine Ausrichtung gibt.

 

Was ist jetzt dran?

  • Gerade jetzt, wo der erste (akute) Teil der Krise überstanden ist, ist es wichtig, gemeinsam die Chance zu ergreifen und die Unternehmensvision zu überprüfen und ggf. zu überarbeiten. In Krisen wurden bekanntermaßen schon viele neue Ideen geboren.
  • Krisenmanagement sollte nur temporär sein und kein Dauerzustand. Daher ist akutes Krisenmanagement gut, aber die Ausrichtung auf die Vision führt eher zu einem aktiven Gestalten, als zu einem getriebenen Krisenmanagement.
  • Es ist zwar wichtig und gar unausweichlich, ein operatives Krisenmanagement zu führen, doch dies allein reicht nicht aus. Ein Krisenmanagement ist bei den meisten auch getrieben durch Mangel, Angst und Sorge und dies wirkt auf das Unternehmen sowie auf jeden Einzelnen beschränkend, ein- und abgrenzend sowie zusammenziehend.
  • Krisenmanagement alleine ist somit kein guter Berater. Daher sind eine Öffnung und Weitung des Blickwinkels und des „Raums“ wichtig, um mit einem anderen Antrieb – dem Sinn – die Herausforderungen heute und morgen zu meistern.
  • Die Vision und der Sinn wirken dafür mit aufsteigender, sich ausweitender Energie. So zeigt sich viel mehr die Empfänglichkeit für Möglichkeiten, Ausdehnung, Zuversicht und aufsteigender Entwicklung.

Vision des Unternehmens – Vision eines jeden

Dieser Effekt der Möglichkeit und Chance gilt nicht nur für Unternehmen und Organisationen, sondern auch für jeden Einzelnen. Daher möchten wir Sie einladen, über Ihre Vision nachzudenken:

  • Wenn Sie unbeschränkte Möglichkeiten hätten, was würden Sie tun?
  • Wo möchten Sie in 6 Monaten, in 5 Jahren und in 10 Jahren sein?
  • Wie möchten Sie leben und arbeiten?
  • Für was möchten Sie stehen?