Am 13. Februar fand zum zweiten Mal der nachbarschaftliche Netzwerkabend statt, eine gemeinsame Veranstaltung mit unserem Kooperationspartner, der Anforderungsfabrik. Bereits die erste Veranstaltung im September hatte große Resonanz, die nun mit fast 50 Anmeldungen noch einmal getoppt wurde. Aufgrund des großen Zulaufs hat der Netzwerkabend kurzfristig ein neues Zuhause gefunden, die Hafenbrasserie Bohai im Hafenbecken 2 in Neuss.

Gemeinsam mit Jesko Schneider, Geschäftsführer der Anforderungsfabrik, hat Victoria Gerards die Gäste durch den Abend geführt und mit zwei spannenden und sehr praxisnahen Impulsen inspiriert.

Jesko Schneider erläuterte sein Thema „Wie eine Kulturentwicklung durch eine gesunde Kommunikations- und Kollaborationsumgebung gelingen kann.“ praxisnah mit einem Beispiel aus dem eigenen Unternehmen, wie das Steuerungs-Tool „Objectives & Key Results (OKRs) durch das Herunterbrechen von Zielen die Potenzialentfaltung aller Mitarbeiter eines Unternehmens möglich macht und eine Selbstorganisation innerhalb von Teams mit klarem Fokus gelingen kann.

OKRs ersetzen die klassischen Jahreszielvereinbarungen, da eine so langfristige Planung in der heutigen schnelllebigen Zeit meist keinen Sinn mehr macht. Stattdessen sind OKRs, die für einen kürzeren Zeitraum gelten, deutlich zielführender, da sie im Rahmen von Iterationsschleifen nachgesteuert werden können. Die Kernaussagen seines Beitrags waren:

  • Vermeiden Sie langfristige Pläne und installieren Sie einen regelmäßigen Austausch.
  • Lösen Sie sich vom Denken in Hierarchien und nutzen Sie die Kompetenzen der Teams und Mitarbeiter.
  • Vermeiden Sie Verschwendung bei der Kommunikation und berücksichtigen Sie dabei die Abstraktionsebenen: Strategie (langfristig), Koordination (mittelfristig) und Umsetzung (kurzfristig).

Victoria Gerards knüpfte mit ihrem Thema „Kommunikation als zentraler Schlüsselfaktor in Veränderungsprozessen“ daran an. Mit einer eindrücklichen Übung verdeutlichte Sie den Teilnehmern, wie wichtig sorgfältige Kommunikation ist, denn gemeinsam das sprichwörtlich gleiche Bild von etwas zu haben ist nicht selbstverständlich. Genau hinzuhören und den anderen verstehen wollen sind Voraussetzungen für gelungene Zusammenarbeit, ganz gleich in welchem Setting.

Victoria Gerards erläuterte weiter verschiedene Formen von Kommunikation in Unternehmen und ging insbesondere auf die sogenannten Retrospektiven ein. Retrospektiven als eine besondere Form des Team-Meetings ermöglichen Teams

  • einen gemeinsamen Rückblick über die Zusammenarbeit und Leistung
  • die Ermittlung, was gut und was nicht gut gelaufen ist
  • gemeinsames Lernen und kontinuierliche Verbesserung
  • die Teamleistung in den Mittelpunkt zu stellen
  • Anerkennung & Wertschätzung zu leben, da auch Positives thematisiert wird
  • Schwierigkeiten direkt anzusprechen
  • geeignete Maßnahmen zur Verbesserung zu finden

Ganz gleich in welchem Stadium ein Team ist, ob bereits in agiler, selbstorganisierter Arbeitsweise erprobt oder noch in klassischen hierarchischen Strukturen verortet, das regelmäßige Durchführen von Retrospektiven ermöglicht es Teams Schritt für Schritt den Kulturwandel zu üben. Retrospektiven weichen alte Denkmuster auf, in dem nicht mehr nur die Leistung selbst, sondern auch die Qualität der Zusammenarbeit und die Zufriedenheit der einzelnen Team-Mitglieder im Fokus stehen. Statt Fingerpointing geht es darum, gemeinsame Erfahrungen zu reflektieren und aus ihnen zu lernen.

Wie wirkungsvoll diese Retrospektiven und das Herunterbrechen von Zielen in kleinere Iterationsschleifen ist, wurde im Anschluss an die beiden Impuls-Vorträge noch durch ein gemeinsames Experiment demonstriert. Dabei konnten die Teilnehmer live erleben, wie gute Kollaboration und Kommunikation dabei helfen können, Ergebnisse kontinuierlich zu verbessern. Mit dem Spiel “Die Ballfabrik”, abgeleitet aus dem “Ball Point Game” von Boris Gloger, haben die Teilnehmer erlebt, wie in iterativen Arbeitsprozessen, in Kombination mit konstruktiven Feedbacks in kurzen Retrospektiven, kontinuierlich die Ergebnisse der “Ballproduktion” verbessert wurden. In vier Runden à eine Minute und einer jeweiligen Nachbesprechung von 30 Sekunden hat sich das Siegerteam von 8 Bällen in der ersten Runde, auf 39 Bälle in Runde vier weiterentwickelt und sich so den Tagessieg gesichert.

Im Anschluss netzwerkten alle Teilnehmer fleißig bei einem köstlichen Flying-Dinner bis um Mitternacht. Die nächste Veranstaltung ist für Juni geplant, wir halten Sie hier auf dem Laufenden!