Herausforderung hybride Teamführung meistern – sechs praktische Impulse für Führungskräfte

Herausforderung hybride Teamführung meistern - Energie durch Entwicklung

Hybride Zusammenarbeit bedeutet letztlich auch eine hybride Teamführung. Eine solche Führung führt schnell zu weiteren Fragen wie: Wie kann eine Führungskraft gut führen, wenn die Teammitglieder nicht gleichzeitig physisch präsent vor Ort sind? Worauf ist zu achten? Und was ist zu überdenken? Hier finden Sie Antworten sowie weitere Tipps für ein gutes und starkes Miteinander.

Bevor wir tiefer in die hybride Teamführung einsteigen, ein wichtiger Hinweis vorab: Die Vor-Corona-Ära liegt gefühlt schon lange zurück, aber wer sich zurückerinnert, wird feststellen, dass es hybride Teamarbeit auch schon vor Corona gab – nämlich bei allen Unternehmen, bei denen Mitarbeiter*innen und Teams über mehrere Standorte verteilt waren. Auch früher schon gab es also räumlich verteilte Teams. Der Unterschied zu heute liegt jedoch darin, dass viele nicht in Büros verteilt arbeiten, sondern in ihrem Home-Office. Und damit kommen weitere Faktoren ins Spiel.

In Zeiten der Unsicherheit

Seit Corona stehen Mitarbeiter*innen – je nach persönlicher Situation – unter einer stärkeren psychischen Belastung durch Fragen wie beispielsweise: Wie geht es organisatorisch weiter? Bin ich selbst vielleicht durch Corona gefährdet? Bleibt mein Arbeitsplatz erhalten? Was ist mit meinen Urlaubsplänen im nächsten Sommer oder mit weiterführenden finanziellen Plänen?

Aktuell, mit dem Ansteigen der vierten Welle und trotz vielfacher Impfungen, gibt es auf viele Fragen dieser Art keine sichere und verlässliche Antwort. Das sorgt bei vielen für eine subjektiv empfundene Unsicherheit, die sich zu einem Gefühl des Bedrohtseins steigern kann.

Natürlich ist die Wahrnehmung der Mitarbeiter*innen in diesen Fragen sehr unterschiedlich, die einen nehmen Dinge eher so, wie sie kommen, die anderen zerbrechen sich den Kopf darüber, was noch alles kommen könnte.

Als Führungskraft in der Verantwortung

Gerade in Zeiten der Unsicherheit stehen Führungskräfte in der Verantwortung und sollten stabil wie ein Fels in der Brandung wirken. Das wiederum setzt voraus, selbst leistungsfähig zu bleiben – und das sowohl körperlich als auch psychisch!

Um selbst gute Unterstützung leisten zu können, sollten Sie sozusagen „Psychohygiene in eigener Sache“ auf ihre To-do-Liste setzen. Ein gutes Selbstmanagement mit guter Selbstfürsorge zu betreiben, ist das erste Gebot. Gute Hinweise dazu finden Sie im Artikel „Warum Selbstfürsorge bei hybrider Zusammenarbeit nicht fehlen darf“ von Petra Basler und Gina Kaulen in diesem Magazin.

Für das Team als empathische Dienstkraft auftreten

In Zeiten der Unsicherheit ist es hilfreich, wenn Führungskräfte sich am Prinzip des Servant Leadership oder der dienenden Führung orientieren, also den richtigen Rahmen für das Team schaffen, damit dieses stark und leistungsfähig ist. Das bedeutet auch, sich selbst zurückzunehmen und beispielsweise eigenen Frust vom Team fernzuhalten.

Was es dann noch braucht, ist Empathie. Als Führungskraft jetzt autoritär und rigide aufzutreten, ohne Verständnis gegenüber den Mitarbeiter*innen, ist ein klares Don’t. Zu weiteren Dos und Don’ts gehören auch folgende Punkte:

Punkt 1: Auf die Ergebnisse schauen

Aktuell schließen teilweise wieder Kindergärten wegen infizierter Erzieher*innen, auch weiß niemand, wie es beim Home Schooling weitergeht – das bedeutet, Mitarbeiter*innen mit Kindern zu Hause, können nicht strikt von 8 bis 17 Uhr vor dem Laptop sitzen, das ist für sie so nicht umsetzbar. Wer als Führungskraft jetzt denkt, „Herr Meier ist noch nicht online“ oder „Frau Müller ist gar nicht erreichbar“, dem fehlt es an Verständnis für die Sorgen und Nöte der eigenen Leute.

Statt auf solche Nebensächlichkeiten zu achten, wäre es viel wichtiger, direkt am Montag über die Aufgaben und Ziele der Woche zu reden und festzulegen, welche Themen welche Priorität haben. Am Ende der Woche schaut man, was erreicht wurde. Wer um welche Uhrzeit an seine Aufgaben geht, sollte jetzt wirklich zweitrangig sein, allein die Ergebnisse zählen.

Punkt 2: Auf Stresssignale reagieren

Von Januar 2020 bis Januar 2021 ist die Anzahl der Anträge auf eine psychotherapeutische Therapie um 40 Prozent gestiegen – ein klares Zeichen für den Stress unserer Zeit! Klar ist auch, dass Sie als Führungskraft eine Fürsorgepflicht Ihren Mitarbeiter*innen gegenüber haben.

Falls Sie feststellen, dass jemand aus Ihrem Team zu sehr gestresst ist, suchen Sie unbedingt das Gespräch und versuchen Sie einfühlsam nachzufragen. Die behutsame Feststellung, dass Sie dies oder jenes bemerkt haben sowie die Frage „Wie kann ich helfen“ könnten ein guter Türöffner sein.

Möglicherweise ist es auch hilfreich, sich mit dem Thema Resilienz zu beschäftigen. Im Magazin „Zukunftsfähiges Coaching“ auf Seite 42 finden Sie im Artikel „Resilienz – Krisenfest in stürmischen Zeiten“ von Petra Basler sicherlich viele hilfreiche Impulse.

Punkt 3: Teamkommunikation aufrechterhalten

Für eine gute Teamkommunikation braucht es ein gewisses Maß an Kontinuität. Hilfreich ist dabei, kleine Rituale zu schaffen. Wichtig ist auch zu schauen, was das Team braucht, wo Unterstützung durch die Führung vonnöten wäre. Beispielsweise gibt es in jedem Team lautere und leisere Persönlichkeiten, als Führungskraft sollten Sie darauf achten, alle einzubinden. Dass bei der Teamkommunikation kein Frontalvortrag kommen sollte, dürfte klar sein, besser ist eine interaktive Kommunikation, bei der sich jeder einbringen kann.

Punkt 4: Die eigene Haltung überprüfen

Jeder Mensch neigt gegenüber seinen Mitmenschen zu einem gewissen Schubladendenken wie „Frau Müller hört nicht richtig zu“ oder „Herr Meier ist so wortkarg“. Ein solches Vorurteil kann sich auf unser Verhalten den jeweiligen Personen gegenüber auswirken, womöglich behandeln wir sie weniger aufmerksam oder fair als andere Teammitglieder.

Das ist menschlich, aber auch Grund genug, dass jede Führungskraft von Zeit zu Zeit die eigenen Vorurteile überprüfen sollte. Versuchen Sie einmal einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, indem Sie das Gespräch suchen. Wichtig ist dabei, Feedback zu spiegeln, also beispielsweise zusammenfassen „ach, ich verstehe, bei Deinem/Ihrem Sohn geht es in der Schule drunter und drüber, was Sie/Dich aktuell stark belastet“ (oder ähnlich). Das hilft, eine Verständnisbasis zu schaffen – anstatt falsche Narrative zu pflegen, kann das dazu beitragen, sich neu zu begegnen und neu kennenzulernen.

Punkt 5: Kreativität statt starrer Rigidität

Vorhandene Narrative überdenken sollten Sie auch hinsichtlich eines kreativen Umgangs mit Regeln und Planungen. Die aktuelle Entwicklung ist so unvorhersehbar, dass eine sichere oder stabile Planung in vielen Bereichen kaum möglich ist.

Hier braucht es eine Offenheit, um neue und kreative Lösungswege zu entdecken und zu entwickeln. Nutzen Sie die gegenwärtige Situation einfach als eine gute Gelegenheit, gemeinsam mit Ihrem Team kreativ zu arbeiten.

Punkt 6: Raum für Lebensfreude lassen

Nicht zuletzt sollten Sie bei alledem aufpassen, dass der Spaß und die Lebensfreude nicht ganz verloren gehen. Auch wenn es nur kleine Formate sind, aber schaffen Sie für das Team einen Raum und einen Rahmen, in dem Sie den Druck rausnehmen und stattdessen für kleine Momente der Freude und der Entspannung sorgen. Einfach mal miteinander lachen und herumalbern, einfach mal ein menschliches Miteinander schaffen, kann unglaublich aufbauend und stärkend wirken.

Victoria Beckers

Victoria Beckers

Victoria Beckers ist leidenschaftliche Impulsgeberin für Veränderungsprozesse und Transformation sowie Herzblutunternehmerin. Sie liebt die Arbeit mit und für Unternehmer und das Entwickeln von Klarheit, Struktur und Energie, damit sie mutig und kraftvoll in eine verantwortungsvolle Handlungsfähigkeit kommen können. Dabei bringt sie sowohl ihre kreative Intuition und ihr gutes Gespür als auch ihre unternehmerische Erfahrung, ihren klaren Fokus und ihr strukturiertes Denken in die Entwicklung neuer Lösungen ein.
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