Gastbeitrag | #edecoach21: Modul 4 – Wahrnehmung, Kommunikation und Beziehungsgestaltung

edecoach21 - Wahrnehmung, Kommunikation und Beziehungsgestaltung

Ich bin Simone Schwarz, eine der Teilnehmer*innen der Coaching-Ausbildung #edecoach21 und ich freue mich sehr, dass ich Dich auf meiner Reise , die fast ein Jahr dauern wird, mitnehmen darf. 

In den kommenden Monaten werde ich Dir, in verschiedenen Gastbeiträgen, persönliche Einblicke in die einzelnen Ausbildungsmodule geben. In meine Learnings, meine Erfahrungen und meine Entwicklung. Ich bin sicher, es wird eine energetische, interessante und manchmal sicher auch (heraus)fordernde Reise sein – und ich freue mich drauf!

Um was geht es?

Es geht um Führung, darum, seine Kompetenz darin zu stärken, in schwierigen Situationen mit dem Team und im Coaching generell, den Überblick zu bewahren und sicherer zu werden. Und es geht darum, dass man, neben dieser Sicherheit, auch unterschiedliche Methoden und Tools an die Hand bekommt, um situationsadäquates, fundiertes Coaching-Wissen und -Können abrufen und verwenden zu können. Das Besondere an der Ausbildung ist aber, dass man nicht nur diesen „Werkzeugkoffer“ erlernt, sondern eben auch sich selbst (noch) besser kennenlernt und sich seiner selbst bewusst wird.

Modul 4 - Wahrnehmung, Kommunikation und Beziehungsgestaltung.

Wie hat er das jetzt gemeint? War das versteckte Kritik? Oder reime ich mir das zusammen und er meinte es tatsächlich nur ganz sachlich?

Und schon sind wir mittendrin, im Thema unseres vierten Ausbildungswochenendes.

Es ging um Wahrnehmung, Kommunikation und Beziehungsgestaltung.

Und ganz viel um aktives Zuhören. Aktives Zuhören ist ein, wenn nicht das zentrale Werkzeug eines Coaches, aber auch ein Schlüsselfaktor in unserer geschäftlichen und privaten Kommunikation. Denn für eine harmonische Beziehungsgestaltung mit unseren Kolleg*innen und Mitarbeiter*innen, wie auch mit unseren Freunden, unserer Familie, unserer*m Partner*in oder unseren Kindern, ist aktives Zuhören der Geheimtipp schlechthin.

Stille Post

Erinnerst Du Dich noch an die „Stille Post“, die Du früher sicher ab und zu gespielt hast?
Mit dieser Übung startete unser viertes Modul an einem Freitagmorgen. Einer Teilnehmerin unserer Gruppe wurde eine kurze Geschichte vorgelesen, die dann die Runde machte, von einem*einer zum*zur anderen. Und was soll ich sagen, das Ergebnis dieser eigentlich simplen Aufgabe war bezeichnend und beinhaltete bereits zum Auftakt schon interessante Erkenntnisse.
Natürlich war von der ursprünglichen Geschichte am Ende nicht mehr viel übrig. Aus einer kreativen Geschichte mit liebevollen Details, wurde eine sehr knappe Zusammenfassung einiger Eckdaten, deren Richtigkeit (zurecht) angezweifelt werden konnte. Was erkennen wir daraus und was können wir davon in Gespräche mit Kolleg*innen, Mitarbeiter*innen und auch in unsere privaten Gespräche mitnehmen?

Während wir jemandem zuhören, konstruieren wir drumherum, quasi zeitgleich, unsere Realität. Wir haben regelrecht Kopfkino. Außerdem selektieren wir beim Zuhören schon sehr stark und sortieren einfach aus, was nicht zu unserer Realität passend erscheint.
Wir kürzen das Gehörte auf das (für uns!) Wesentliche und drücken diesem dadurch den Stempel unserer eigenen Wahrnehmungswelt auf. So kommt es, dass bei der „Stillen Post“ am Ende nicht mehr viel vom eigentlich Gesagten übrig bleibt, denn jede*r der Mitspieler*innen selektiert das Merkenswerte nach den eigenen „Realitätsschablonen“ und Prägungen.

Was kommt eigentlich bei uns an?

In meinen letzten Artikeln zur Ausbildung bin ich schon des Öfteren darauf eingegangen, dass wir mit unserer Wahrnehmung achtsam sein sollten. Denn jede*r von uns kreiert, durch die eigene Sozialisation, das Elternhaus, den Umgang mit Freunden, Mitschülern, durch Erlebnisse usw. seine*ihre ganz eigene, individuelle Wahrnehmungswelt. Wir nehmen nur wahr, was wir wissen und selbst erfahren haben und blenden dadurch vieles aus. Dadurch erfassen wir auch Gehörtes nur selektiv. Gerade für Führungskräfte ist es hilfreich zu wissen, dass z.B. in wichtigen Gesprächen mit Mitarbeiter*innen, lange Sätze und Erklärungen vermieden werden sollten, weil beim Gegenüber meist nur der Kern der Aussage ankommt. Das kann man vor allem in angespannten Situationen beobachten:
kaum jemand, der beispielsweise von seiner Kündigung erfährt, kann im Anschluss den genauen Inhalt des Gesprächs wiedergeben, weil die Kernbotschaft (die Kündigung) alles Weitere überlagert.

Aktives Zuhören und weitere Faktoren erfolgreicher Kommunikation.

Die Basis einer guten Kommunikation stellt das aktive Zuhören dar. Welche weiteren Aspekte sollte man aber zusätzlich miteinbeziehen?

An unserem Ausbildungswochenende sind wir tiefer in die Kunst der Kommunikation und Beziehungsbildung eingestiegen und haben unterschiedliche Faktoren beleuchtet, die Kommunikation zusätzlich beeinflussen.

Dafür haben wir Modelle und Methoden kennengelernt und das Gelernte, wie immer, intensiv in Gruppen oder im 1:1 Setting geübt.
Es ging um Unconscious Biases, also Wahrnehmungsverzerrungen, darum, welche Rolle Spiegelneuronen für die Empathie, Sympathie und für das Vertrauen spielen. Wir haben uns nochmal mit dem Reiz-Reaktions-Schema von Viktor Frankl beschäftigt (siehe dazu den Artikel zu Modul 3, der unten verlinkt ist), uns anhand des Trust-Triangle von Frances Frei, die Beziehung von Empathie, Authentizität und Logik/Strategie angeschaut und mit dem Grow-Modell eine gute Möglichkeit kennengelernt, wie dem nötigen Vertrauen in Gesprächen ein gutes Gerüst gegeben werden kann.

Vier Ohren hören mehr als zwei?

Und dann waren da noch die vier Ohren. Vier Ohren hören ja bekanntlich mehr als zwei. Oder? Der Kommunikationspsychologe Friedemann Schulz von Thun hat das berühmte Vier-Ohren-Modell entwickelt, das auch Vier-Seiten-Modell, Nachrichtenquadrat oder Kommunikationsquadrat genannt wird. Es geht davon aus, dass eine Nachricht immer vier Botschaften auf vier unterschiedlichen Ebenen enthält. Sowohl auf der Seite des Sprechers (= Sender) als auch auf der Seite des Gesprächspartners (= Empfänger).*

Aus der Sicht des Senders auf
…der Sachebene (was sagt der Sender objektiv?)
…der Beziehungsebene (wie sieht der Sender seine Beziehung zum Empfänger?)
…der Ebene der Selbstoffenbarung (was sagt der Sender damit über sich?)
…der Appellebene (was möchte der Sender beim Empfänger erreichen?)

Dasselbe gilt auch in die andere Richtung, vom Empfänger zum Sender. Hier ist ausschlaggebend, wie der Empfänger der Nachricht die einzelnen Ebenen interpretiert und mit welchem „Ohr“ er die Nachricht hauptsächlich hört.

Aus der Sicht des Empfängers auf
…der Sachebene (was sagt der Sender objektiv, worüber spricht er?)
…der Beziehungsebene (wie steht der Sender zu mir, was hält er von mir?)
…der Ebene der Selbstoffenbarung (was offenbart der Sender über sich, was ist das für einer?)
…der Appellebene (was möchte der Sender von mir?)

Wie kann das in der Praxis aussehen?

Du kennst das sicher: Du erzählst jemandem etwas, das für Dich völlig klar und nicht falsch zu verstehen ist, Dein Gegenüber aber reagiert (für Dich) komplett unpassend darauf, was wiederum bei Dir für Unverständnis und Irritation sorgt („so hab ich das doch gar nicht gesagt/gemeint!“). Daraufhin kann sich die Situation schon mal so hochschaukeln, dass sie, im schlimmsten Fall, im Streit endet – und Ihr Euch am Ende beide falsch verstanden fühlt.

Was ist da passiert?

Du und Dein*e Gesprächspartner*in habt dieselbe Aussage auf unterschiedlichen Ebenen gesendet bzw. wahrgenommen, nach dem Motto: welches Ohr war dabei auf Empfang? Ihr beide bringt Eure ganz individuellen Wahrnehmungswelten, Wertevorstellungen, Erfahrungen und persönliche Prägungen mit ins Gespräch und „sendet“ und „empfangt“ daher selektiv und jeweils passend zu Eurer eigenen Erfahrungswelt. Was für Dich ganz klar ist, muss für Dein*e Gesprächspartner*in noch lange nicht klar sein. Es kann für ihn oder sie komplett anders besetzt sein und andere Gefühle und Assoziationen auslösen.
Deshalb ist es hilfreich, z.B. auch für Mitarbeiter*innen-Gespräche, sich dieser Tatsache bewusst zu sein.

Eine gute Grundlage für erfolgreiche Kommunikation.

Für eine gute, zielführende Kommunikation ist es also wichtig, nicht nur aktiv zuzuhören, sondern auf allen Ebenen achtsam und bewusst zu sein. Sich selbst, wie auch dem oder der Gesprächspartner*in gegenüber.
Oder anders ausgedrückt: durch aktives, bewusstes und gleichzeitig empathisches Zuhören, wird Vertrauen und Nähe hergestellt und damit die Grundlage einer guten Kommunikations- und Beziehungsgestaltung gelegt.

Vielleicht möchtest Du mit diesem Gedanken einmal in Dein nächstes Gespräch gehen?

Wie geht’s weiter?

Mit dem Abschluss des vierten Ausbildungs-Moduls ist auch der erste Teil der Ausbildung abgeschlossen, in dem es um uns selbst ging, um unsere Werte, Glaubenssätze, Verhaltensweisen, Automatismen und Prägungen. Und vor allem auch um die Achtsamkeit und bewusste Wahrnehmung uns selbst gegenüber.

Im nächsten Modul steigen wir dann mit dem Thema „die Grundzüge des Coachings“ endgültig in die Welt des Coachings ein.
Wir alle, die Teilnehmer*innen und auch die Coaches, freuen uns schon riesig darauf.
Und wenn Du möchtest, nehme ich Dich weiterhin mit auf meiner Reise.

*aus Gründen der besseren Lesbarkeit, habe ich mich in diesem Abschnitt für die männliche Form entschieden, die weibliche Form ist selbstverständlich mit eingeschlossen.

Simone Schwarz

Simone Schwarz

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